Einfallstor. Neue Aphorismen. (1998)

„Das Untier rechnet mit allem ab, nur nicht mit mir. Darin erkenne ich keine Enteignung durch das Lizenzrecht, sondern einen erneuten Beweis seiner Anhänglichkeit.“

Einfallstor. Neue Aphorismen. Igel Verlag, Oldenburg 1998.

 

Pressestimmen

Kein apokalyptischer Reiter in blinkender Rüstung prescht da heran, sondern der Privatmann Horstmann wird greifbar, waidwund und angeschlagen. Die Bombenstimmung des „Untiers“ (…), sie ist dahin. Der apokalyptische Sprengkopf Horstmann, entschärft. Statt dessen werden wir des Familienmenschen ansichtig: lesend im Wintergarten, die Decke über den Knien, beim Puppenspiel mit der kleinen Tochter, geplagt von rasenden Kopfschmerzen, sich ertüchtigend beim Waldlauf oder das allabendliche Bier genießend. Und doch meistens allein. Das „Einfallstor“ präsentiert persönliche Dokumente von überwältigender Authentizität, läßt den Blick in den Innenraum des Verfassers zu. Wundersame Brueghel-Bilder steigen auf, eine märchenhafte, melancholisch verhangene Herbst- und Winterwelt, in der Horstmanns „Mauersegler-Manie“ ihre Endlosschleifen zieht. (…) Die Kampfansage des „Untiers“ ist zurückgezogen. Horstmanns Rückkehr aus der Einöde der Steintäler stand zu erwarten, schon aus kräfteökonomischen Gründen.

Frank Müller: Ulrich Horstmanns Weg vom Steintal in die Lahn-Sümpfe. In: Gießener Anzeiger, 21.10.1998. (Zu: „Einfallstor“)

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Ulrich Horstmann ist bekennender Aphoristiker. Mit „Einfallstor“ legt er nach „Hirnschlag“ (1984) und „Infernodrom“ (1994) seine dritte Aphorismensammlung vor. Der Titel rückt bereits die literarische Gattung ins Zentrum: „Der Aphorismus ist ein Einfallstor, der Aphoristiker auch.“ Er spielt aber nicht so sehr auf den militaristischen Hintersinn des Satzes an, der die subversive Kraft von Aphorismen gegenüber den Bollwerken des systematisierten Denkens hervorhebt. Vielmehr geht es um den Verfasser der Gedankenblitze selbst, der eingesteht, nicht nur das Tor für den Einfall, sondern auch ein von der aphoristischen Torheit Befangener zu sein. „Die Selbstlosigkeit hat beängstigende Formen angenommen“, stellt Horstmann fest und rückt sein Selbst ins Zentrum der Sammlung. „Einfallstor“ läßt sich lesen wie ein Tagebuch voller pointierter Einträge. Sie zerfallen nicht in separate Ideen, sondern beginnen bei fortschreitender Lektüre ein Leben zu erzählen.

Rajan Autze: Steintal, versunken in den Lahn-Sümpfen bei Marburg. Aus dem Blickwinkel des alternden Melancholikers: „Einfallstor“, Ulrich Horstmanns neue Aphorismensammlung. In: Badische Zeitung, 2.2.1999.