Hermann Burger: Weltuntergangspoet Ulrich Horstmann: „Als Schwarzgalliger kommt man auf die Welt“ (1988)

Wir trafen uns in Frankfurt, er von Münster (richtig ist Bünde, Anm. der Redaktion) angereist, der ostwestfälischen Kleinstadt, in der auch Cigarren hergestellt wurden, ich die Stechlinsche Kate von Brunegg bei Gemüt, beide dem Suizid als Schlussbukett einer zutodekränkenden Existenz nicht abgeneigt, und ich überlegte lange, welches der tristeste Ort in der Messestadt wäre für unsere Begegnung, vielleicht ein Abwässerkanal mit den Fluchtwegen für den Dritten Mann, vielleicht der alte Teil des Friedhofs oder die Prosektur einer Klinik, auch der S. Fischer Verlag in der Hedderich-Strasse 114 wäre in Betracht gekommen seiner mönchischen Totalfrust-Zellen wegen.

Schliesslich entschieden wir uns für die Kafkasche Schank-Kaschemme im „Schloss“, das Steigenberger Hotel Frankfurter Hof, dessen Halles sich zur Zeit im Umbau befindet, denn es gibt in der Tat nichts Melancholischeres als eine Baustelle der verkorksten Gastronomie, in der taubengrau uniformierte Lakaien mit standartenhaft getragenen Schiefertafeln längst abgereiste oder nie ankommende Gäste ausrufen, in der kandelabrische Foyer-Damen durch den Seitenausgang des Gepäckaufbewahrungsraums stöckeln, wo zum Vieruhrtee eine Ostblock-Pianistin in die Tasten eines maroden Blüthner-Flügels greift, den zu retten zwei Dinge vonnöten wären: Benzin und Streichhölzer.

Hier in dieser spätsommerlichen Kehraus-Atmosphäre sass der mutz (?) gestutzte Übersetzer von Robert Burtons „Anatomie der Melancholie – Über die Allgegenwart der Schwermut, ihre Ursachen und Symptome sowie die Kunst, es mit ihr auszuhalten“, wies den krummen Hund, den ich ihm aus der Culebras-Kiste vor Partagas anbot, angewidert zurück, definierte sich als total unmusikalisch, als ich ihm die Rafinesse des B-Septimenakkordes im Casablanca-Song „A time goes by“ erklärte und zitierte aus Goehtes „Werther“: „Es hat sich vor meiner Seele wie ein Vorhang weggezogen und der Schauplatz des unendlichen Lebens verwandelt sich vor mir in den Abgrund eines ewigen offenen Grabes … Ich sehe nichts, als ein ewig verschlingendes, ewig wiederkäuendes Ungeheuer.“

Inzwischen kam das fünfmal reklamierte Mineralwasser, und Ulrich Horstmann schwärmte in diesem Eros-Center-Kontakthof der oberen Zehntausend von Petrarcas 1342/43 in Vaucluse entstandenem Dialog „De secreto conflictu curarum mearum“, einem fiktiven Gespräch zwischen Augustinus und Franciscus, der sich als Selbstbehauptung eines Verstockten entpuppt. Im zweiten der drei Bücher geht es um die geheimnisvolle Seelenkrankheit Petrarcas, die Augustinus in der klassischen Terminologie als „aegritudo“ identifiziert. Trotz der theologischen Verbrämung ist der Drohcharakter der Todsünde völlig abgebaut zugunsten eines leidvollen Wirklichkeitserlebens, das in der deutschen Übersetzung als „Weltschmerz“ wiedergegeben wird.

„Und der Gipfel allen Jammers ist es“, heisst es im „Secretum“, „dass ich mit einer gewissen stillen Wollust mich an meinen Tränen und Schmerzen weide und nur ungern mich ihnen entrisse.“ Petrarca, sagt Horstmann in seiner Studie „Versuch über ein angeschwärztes Gefühl“, ist der erste moderne Melancholiker, und seine Gemütsverfassung weist denn auch schon jene Eigenheiten auf, die im Verlauf der folgenden Jahrhunderte immer prägnanter hervortreten sollen, nämlich Selbstbeobachtung, Selbstgenuss und das Eingeständnis der Unbegründbarkeit des vom Schwermütigen kultivierten Affekts.

Nur so ist Augustinus’ und Franciscus’ Dialog zu verstehen. „A.: Du hältst dich für unglücklich? F.: „Für den Allerunglücklichsten!“ A.: „Und warum?“ F.: „Aus tausend Gründen!“ Da möchte ich von meinem Gegenüber wissen, ob er mir einen dieser Gründe nennen könnte. Was, frage ich ihn, als eben „Misty“ auf dem Blüthner erklingt, war das traurigste Erlebnis Ihrer Kindheit? Eine Bubenspielwiese, die mit einem Betonblock verschandelt wurde, und die bittere Einsicht, dass Nobel nicht umsonst gelebt hat. Je explosiver solch architektonische Kapitalverbrechen vom Erdboden verschwinden, desto besser. Die prägende Lektüre war Schopenhauer. Er erinnert sich weniger an einzelne Sentenzen als an die vergilbte Volksausgabe, die er in einem Antiquariat erstand. Thomas Buddenbrocks Erleuchtung im Garten, als der Untergang der Firma schon besiegelt ist, kenn er nicht. „Das Entscheidende war die Resonanz, in mir klang längst Vorgeprägtes an, man kommt als Schwarzgalliger auf die Welt, doch für das Überleben ist es entscheidend, die „humores“, von denen im „Corpus Hippocratium“ gesprochen wird, im Gleichgewicht zu halten.“

Da wird nämlich die dann von Galen tradierte Lehre von den Kardinalssäften entwickelt, deren richtiges Mischungsverhältnis (Eukrasie) Gesundheit und Wohlbefinden garantiert, wogegen Dyskrasie Krankheiten auslöst. „Der theoriegeschichtlich Letztgeborene dieser „humores“ ist nach dem Blut, der gelben Galle, und dem Schleim die „melaina chole“, die trockene und kalte schwarze Galle, deren Übermass nach den Lehren der Humoralpathologie eine Fülle körperlicher und geistiger Störungen im Gefolge hat, die nach ihre Auslöser unter dem Begriff Melancholie zusammengefasst werden.“

Die Rehabilitation der Schwermut ist das Verdienst eines Autors, den wir übereinkunftsgemäss Aristoteles nennen, obwohl die „Problemata“ wahrscheinlich von einem seiner Schüler, von Theophrast aufgezeichnet worden sind. Aristoteles wirft die Frage auf: „Warum erweisen sich alle aussergewöhnlichen Männer in Philosophie oder Politik oder Dichtung oder den Künsten als Melancholiker?“ Der exzeptionelle Mensch, und das ist ein Rückgriff auf die Mania- oder Enthusiasmus-Lehre Platos, verfügt nicht deshalb über bewundernswerte Talente, weil er als Sprachrohr oder Medium des Transzendenten fungiert, sondern weil er von Geburt an eine bestimmte Disposition mitbringt. Diese „Mitgift“ erklärt Aristoteles als spezifisches Mischungsverhältnis der Körpersäfte, bei dem die schwarze Galle überrepräsentiert ist.

Erfolgt eine Abweichung vom Mittelwert in Richtung auf das Extrem äusserster Überhitzung, treten nach Aristoteles pathologische Phänomene wie „übersteigerte Hochgefühle mit Gesang, Ekstasen, Aufbrechung von Wunden“ auf, kühlt der Körpersaft über Gebühr ab, löst das „Schlagflüsse, Erstarrungen, Depressionen oder Angstzustände“ aus. Pendelt sich die Temperatur aber im optimalen Bereich ein, führt das nicht nur zur Symptomfreiheit, sondern befähigt einen zu ausserordentlichen Leistungen. Horstmann sagt es mit an Schopenhauer geschulter Prägnanz: „Wir Melancholiker leben im freien Fall des Denkens.“

Das Restaurant Français im „Frankfurter Hof“ präsentiert sich von seiner schwarzgalligsten Seite: auf dem Teller ein paar Tranchen blaurot verfärbter Entenbrust, mein Turbot-Filet ist durch eine Kümmelsauce bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet, Leichenfledderei am Butt, anstelle des Chablis könnte man ebenso gut verdünnten Urin trinken, ich nehme mir vor, eine Probe davon bei meiner Leibärztin abzugeben, deren Praxis direkt über dem Bestattungsinstitut Concordia liegt. Warum die Deutschen nicht kochen können? Nun, sie verstehen eben nichts von Humoralsymphonie.

Doch es ist das richtige Klima, um sich mit einem Weltuntergangsphilosophen zu unterhalten, der mir begeistert vom Wettlauf zwischen Scott und Amundsen zum Südpol erzählt. Als Scott, der Technokrat, am Ziel ankam, fand er die norwegische Flagge, er scheiterte auf dem Rückweg wenige Kilometer vor dem letzten Depot. Amundsen verliess sich nur auf seine Schlittenhunde. Jahre später fand man die Tagebücher des Kälte- und Hungertod-Kamikazes, sie faszinieren Horstmann als Stoff. Warum? Er bezeichnet das Unternehmen als Hirnexpedition zu einem extremen Punkt. Genauso verfährt der Suizidär. Er setzt sich der Eiswüste aus, gespannt, wie lange er es aushält.

An Lesungen werde er immer wieder gefragt, weshalb er sich nicht schon längst umgebracht habe. Horstmann bekennt, er sei, kurz bevor er die Leichengruft des Alls erreicht habe, umgekehrt. Ein Abtrünniger, wenn man so will. „Ich hoffe, die Nabelschnur sei noch nicht ganz zerstört.“ Doch gerade, weil es für den Suizid tausend Gründe gibt, ist es so schwer, sich für den einen zu entscheiden. Das ist ein fabelhafter Trick der Lebensverlängerung, jenem des Steppenwolf in Hesses Roman verwandt, der sich zum fünfzigsten Geburtstag das Rasiermesser gestattet. Da er sich nun des Abgangs gewiss ist, hält er alle Scheusslichkeiten bis zum Jubelfest etwas besser aus, und hinterher zeigt sich, es war alles doch nicht so schlimm, wir können das Moratorium verlängern. Und Horstmann hat noch eine andere List in petto: „Warum soll ich eine hypothetische Konstruktion durch einen definierten Entschluss ihrer spielerischen Vielfalt berauben?“

In seiner Jugend gibt es keinen archimedischen Punkt, auf den die Suizidalphilosophie zurückzuführen wäre. Er wuchs, am 31.5.1949 geboren, im Tischlermeistermilieu auf, blieb Münster treu, wo er Anglistik, Philosophie und Pädagogik studierte, nach der Dissertation Assistent wurde, sich habilitierte über „Ästhetizismus und Dekadenz“, für fünf Jahre eine Zeit-Professur innehattte. Reisen unternahm er selten. „Warum soll es einen in die Fremde ziehen, wenn man in seinem Wohnort schon in der Fremde ist?“

Die Studentenbewegung war konsolidiert, als er sein befristetes Amt antrat, er verdiente DM 3000,- für acht Wochenstunden. Vielleicht liegt ein Keim seiner Traurigkeit in seiner Situation als Einzelkind. „Ich begreife, dass Sie Zauberer geworden sind, Herr Burger, statt Freunde hat man dann wenigstens ein Publikum.“ Die Welt habe ihn insgesamt nicht unfreundlich aufgenommen, aber er habe nicht zu ihr gepasst. Ich erinnere ihn an den Satz Robert Walsers, der in Herisau gesagt hat: „Niemandem wünschte ich, ich zu sein.“ Die Pubertät war für Horstmann kein gravierendes Problem, man hatte sich lediglich daran zu gewöhnen, dass die Sexualität nicht diskursfähig war. Mit 19 Jahren heiratet er und ist Vater einer hübschen Tochter. Lieblingsgericht Pfannkuchen.

Eine Biographie, die nicht so recht übereinstimmen will mit einem scharfen Kopf, der sich dem freien Fall des Denkens aussetzt, der von einer Raumkapsel aus verfolgt, was die Menschheit mit diesem verkrüppelten Planeten anstellt. Vielleicht deckt sich seine Überlebensmotivation mit derjenigen Brechts: der Weltuntergang ist ihm einerlei, wenn man ihm nicht die Möglichkeit gibt, ihn zu beschreiben. Einer Mutter, so heisst es, sollte man nie grössere Schmerzen zumuten, als sie bei der Geburt ihres Kindes erlitten hat. Der Virtuose des protrahierten Suizids katapultiert sich über diese Grenze hinaus. Das mangelnde Urvertrauen ersetzt er durch voyeuristische Neugier.

Nun ist aber Petrarca, Horstmanns Kronzeuge im „Versuch über ein angeschwärztes Gefühl“, auch ein Fuchs, wenn er Seneca mit Seneca widerlegt, der bekanntlich in „De Tranquillitate Animi“ die Freude am menschlichen Unglück als inhuman bezeichnet. Ebensolche unrühmliche Schadenfreude steckt für Petrarca auch hinter dem Therapievorschlag Augustinus, und der demaskiert die Kunstfigur, indem er ihr eine Vision in den Munde legt, welche jeder christlichen Ethik hohnspricht: „So wirst du dann einmal am sichern, trockenen Ufer stehen und anderer Menschen Schiffbruch betrachten und das jammervolle Klagen der Ertrinkenden ruhigen Herzens hören. Und neben dem Mitleid, das dieses traurige Schauspiel in dir erregen mag, wirst du eine tiefe Freude empfinden über dein festbegründetes sicheres Glück, das du aus so vielen Gefahren dir errettet hast.“

Man muss hier den Bogen schlagen zu Professor Pöldinges Untersuchungen über die Geburt des Schöpferischen aus dem Geist der Depression. Es war Marsilio Ficino, der führende Kopf der Florentiner Akademie, der in seiner 1489 erschienenen Schrift „De triplici vita“ auf den Ansatz der pseudo-Aristotelischen „Problemata“ zurückgreift. Im ersten Buch „De vita sana“ räumt das sechste Kapitel kompromisslos mit allen Vorbehalten gegen die Gelehrten-Schwarzgalligkeit auf, die geradezu als Garant intellektueller Kompetenz und Forscher-Genialität erscheint. Das melancholische Gemüt wird von Ficino aufgewertet zu einem „Instrument der göttlichen Dinge“: „da von so es erfult wirt von oben herabe durch gotliche influss und gespreche, erdencket es alewegen etlich nuwe und ongebruchte ding und verkunnth kunfftige ding.“ „Schwartzgall begeret alwegen das centrum aller ding und durchdringt alle ding“, heisst es weiter.

Leidet Horstmann, der den Selbstmord als guten Bekannten, als feschen Kavalier bezeichnet, unter Depressionen? Ich gebe ihm drei Stichworte. Zu „Melancholie“ fällt ihm ausgeglichene Traurigkeit ein, zu „Traurigkeit“ ein Tintenmeer, zu „Depression“ Arzt und Klinik. Nein, er leidet nicht unter seelischen Schmerzen, schluckt keine Medikamente, fällt ab zu in ein Tief, das höchstens drei Wochen dauert. Man muss mit dieser Disposition der Gefahr der Selbstvergiftung entgehen. Depressionen stellen sich dann ein, wenn sich das „firchtsam gemute“ in „innerlich finsterkeit“ verliert, wenn sich der Melancholiker selbst überfordert, wenn das Blut kalt und trocken wird.

Pascal sagte, all unser Elend rührt daher, dass wir nicht ruhig in unserem Zimmer sitzen können. Es wäre Oblomov, der sich für den Rest seines Lebens ins Bett legt und der Friedhofsschwerkraft hingibt. Ein Autor wie Horstmann lässt sich nicht davon abhalten, an Utopien zu glauben, selbst wenn es nur larvierte sind. Der Melancholiker lebt davon, dass die Paradiesvorstellungen nicht funktionieren. Welch eine fantastische Rückversicherung. In der „Kronenhalle“ wird er sich darauf freuen können, dass die Crêpes Suzette verbrannt sind. Seine Leidenschaft ist diejenige des Fataljuristen, der sich das Vergnügen nicht nehmen lässt, den Beweis anzutreten. Was dem Analysanden sein Krankheitsgewinn, ist dem Weltuntergangs-Jokulator der Triumph, dass er recht hatte mit der Prophezeiung, es gehe alles verschütt.

Da liegt das schöpferische Potential des Depressionisten. Man schickt ihn in die Hölle, und kein Schwein kümmert sich um ihn, wenn er an den Infusionsschläuchen hängt. Die Hinterbliebenen bestellen bereits das Leichenmahl, den obligaten Kalten Teller. Doch siehe, er kommt noch einmal, um ihnen das Geräusch zu schildern, wenn die Exitus-Falle zuschnappt. Und die geballte Wut, die wie zerquetschte Begonien unter der Grabplatte verserbelte, macht ihn bärenstark. Er ist nun befähigt, der Menschheit auszudeutschen, was sie hinter den Kulissen des Scheintodes erwarte, und er wird sie, wenn er ein guter Schriftsteller ist, gnadenlos durch diese Geisterbahn hetzen.

Horstmanns stärkstes Buch ist „Das Untier“, Untertitel „Konturen einer Philosophie der Menschenflucht“. Es beginnt mit dem Satz: „Die Apokalypse steht ins Haus. Wir Untiere wissen es längst, und wir wissen es alle.“ Und es endet mit der Passsage: „Nicht bevor die letzte Oase verödet, der letzte Seufzer verklungen, der letzte Keim verdorrt ist, wird wieder Eden sein auf Erden.“ Kehre nicht zurück, Polarforscher Horstmann, mit deinen Schlittenhunden, gehe über den „point of no return“ hinaus. Hinterlasse etwas Rentierfleisch und deine Tagebücher, denn wie mir der Autor am traurigsten Ort dieser Welt, im „Frankfurter Hof“, bei blaurot verfärbten Entenbrusttranchen versicherte, war der Verlierer Scott der moralische Sieger. Der Handschellenkönig Houdini, als er in Detroit durch den Kolk in den vereisten Fluss sprang und sich unter Wasser von den Fesseln befreite, wurde durch die Strömung vom Loch abgetrieben. Die Zeitungsjungen schrien durch die Strassen: der grosse Houdini ist tot. Houdini aber schwamm spiralförmige Kreise, bis er den Durchschlupf fand und tropfnass die Unglücksmeldung dementierte.

Das ist der wahre Künstler, der selbst in der aussichtslosesten Lage nicht aufgibt. Das ist seine Würde. Sie teilt der professionelle Melancholiker. Er sprengt die Panzer seiner Traurigkeit und trinkt eine Flasche Champagner auf all jene, die optimistisch den Joggingpfaden folgen, an Waldbereisungen teilnehmen und 98 werden, um sich qualvoll an jene Sünde erinnern zu müssen, die sie nicht begangen haben. Statt täglich 20 Havannas zu rauchen, verpesten sie die Luft mit ihrem asketisch üblen Mundgeruch. Sie stimmen einen so todtraurig, dass jeder Melancholiker für das Privileg danken wird, dass ihm die Götter schenkten.

 

Erschienen in: Du. Die Zeitschrift der Kultur. Heft Nr. 11, November 1988: Melancholie – Momente eines Zeitgefühls, S. 53-55.